Die Projektarbeit im Kindergarten ist ein Gewinn für alle Beteiligten. Der Alltag im Kindergarten hat viele Gesichter:
Freies Spiel, geplante und spontane Aktivitäten, gezielte Förderung, offene und erlebnisorientierte Angebote.
Erzieherinnen beschäftigt fortwährend die Frage: "Wie könne wir die Arbeit gestalten und planen, damit sie sich möglichst nah an der Lebenswelt der Kinder orientiert?" Eine Antwort unter vielen möglichen: "Projektarbeit."
Projekte findet man in der Berufswelt, in Schulen und Vereinen. Dabei handelt es sich um Pläne, Vorhaben und Probleme, an deren Bearbeitung sich bestimmte Gruppen aktiv beteiligen. Im Kindergarten kann das durchaus ähnlich erfolgen. Oft steht zu Beginn eine Frage oder ein Ereignis im Raum. Damit wird der Stein ins Rollen gebracht.
Ein Beispiel: Ein Kind bringt ein Glas Honig für unser gemeinsames Frühstück mit in den Kindergarten. Stolz zeigt es den selbst geschleuderten Honig. Durch das starke Interesse der Kinder wurde daraus ein Projekt. Kinder, die Kontakte zu Imkern hatten, brachten gefüllte und leere Waben, Imkerkleidung, Zubehör wie Pfeife, usw. mit. Bücher und Spiele dazu wurden von uns bereitgestellt. Durch Gespräche, Lieder, Reime, Geschichten, Bewegungsspiele und Exkursionen wurde das Thema über einen längeren Zeitraum noch vertieft.
Im Gegensatz zu vorgefertigten Programmen, in denen der Erwachsene bestimmt, was aus seiner Sicht lernenswert erscheint, entscheiden hier die Kinder über die Inhalte. Aus lernbiologischer Sicht ist dies ein optimaler Weg, neue Informationen im Zusammenhang mit vorhandenem Wissen abzuspeichern. In Projekten wird ein Thema von vielen Seiten beleuchtet, und die Kinder können sich intensiv mit dem Bereich beschäftigen, der sie besonders interessiert.
Das Interesse an einer Sache ist natürlich nicht bei allen Kindern gleich groß, deshalb laufen auch meistens mehrere Projekte gleichzeitig. Genauso ist die Anzahl der Kinder und auch die Dauer des Projektes ganz unterschiedlich sein. Z.B. findet auf dem Spielplatz ein Projekt "Eisdiele" statt, während in einer Gruppe seit einiger Zeit eine Krankenstation in der Puppenecke eingerichtet ist, in der großer Andrang herrscht. Währenddessen führen drei Kinder eine seit Tagen vorbereitete Turnvorstellung in der Turnhalle vor.
Für die Erzieherinnen ist die Planung eines solchen Projektes nicht immer einfach. Sie fertigen einen Entwurf an und müssen nach vielen Seiten offen bleiben - es gilt, das Projekt den Fragen der Kinder anzupassen. Denn es geht um ein echtes Projekt, in dem die Kinder die Hauptrolle spielen: "Was wissen sie bereits?", "Was erscheint ihnen wichtig?", "Was wollen sie unbedingt herausfinden?"
Auch Eltern werden gerne in Projekte mit eingebunden. Sie können eine Kleingruppe übernehmen, einen Nachmittag als Fachmann oder -frau Fragen der Kinder beantworten, eine bestimmte handwerkliche Technik zeigen und vieles mehr.
Aus der Projektarbeit ergeben sich lehrreiche Prozesse, ganz nach dem Motto:
"Der Weg ist das Ziel!"